Vom Entdecker zur Pflege
Christoph Schubert, Gründer und Geschäftsführer von aiutanda, steht für einen ungewöhnlichen Weg in den Pflegemarkt. Vom Marineoffizier über die Unternehmensberatung bis hin zum Aufbau eines der größeren privaten Anbieter ambulanter Versorgung in Deutschland verbindet er unternehmerische Erfahrung mit einem klaren Blick auf die strukturellen Herausforderungen der Branche. Im Gespräch gibt er Einblicke in Motivation, Haltung und Perspektiven auf Pflege als professionelles Zukunftsfeld.
Verantwortung statt Masterplan
Christoph Schuberts beruflicher Weg begann nicht in der Pflege, sondern auf See. Als Marineoffizier und Ingenieur faszinierte ihn früh die Vorstellung, Neues zu entdecken und Verantwortung zu übernehmen. Der Wunsch nach Unabhängigkeit und Gestaltungsspielraum prägte ihn bereits in jungen Jahren.
Der Einstieg in die Pflege folgte keinem langfristig angelegten Karriereplan. Entscheidend waren persönliche Begegnungen und die Erfahrung, wie unmittelbar relevant professionelle Versorgung für das Leben von Menschen ist. Pflege wurde für ihn kein zufälliges Tätigkeitsfeld, sondern ein bewusst gewähltes unternehmerisches Umfeld mit gesellschaftlicher Tragweite.
Nach Stationen in der Unternehmensberatung und Industrie gründete Schubert 2011 die Deutsche Fachpflege. Nach deren Verkauf und einer Auszeit entstand 2017 gemeinsam mit Partnern aiutanda. Heute zählt das Unternehmen zu den großen privaten Anbietern im deutschen Pflegemarkt und beschäftigt mehrere tausend Mitarbeitende.
Pflege als Gestaltungsaufgabe
Was ihn an seiner Aufgabe reizt, beschreibt Schubert als Verbindung von Gestaltungskraft und Realitätssinn. Die Pflegebranche sei anspruchsvoll, wirtschaftlich herausfordernd und zugleich von hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Veränderungen wirken sich hier nicht abstrakt aus, sondern unmittelbar auf den Alltag von Menschen mit Unterstützungsbedarf.
Pflege versteht er als professionelles Zukunftsfeld, das strukturelle Weiterentwicklung braucht. Ambulante Versorgung, Tagespflege, Service Wohnen oder integrierte Modelle wie Lebensparks erfordern klare Prozesse, digitale Systeme und unternehmerische Verantwortung. Nur so lassen sich Qualität, Transparenz und Verlässlichkeit sichern.
Gleichzeitig sieht Schubert Entwicklungsbedarf im regulatorischen Umfeld. Aus seiner Sicht braucht der Pflegemarkt mehr Offenheit für Innovation und eine stärkere Anerkennung unternehmerischer Lösungen. Versorgungssicherheit entsteht nicht durch zusätzliche Komplexität, sondern durch tragfähige Strukturen.
Perspektivwechsel und Neugier
Prägend für seinen Führungsstil ist die Erfahrung außerhalb der Pflege. Ein Segeljahr um die Welt steht für Distanz zum Tagesgeschäft und die Möglichkeit, Perspektiven neu zu ordnen. Natur, Bewegung und Reisen sind für ihn keine Gegensätze zu unternehmerischer Verantwortung, sondern Teil eines reflektierten Umgangs mit Komplexität.
Sein Interesse an Persönlichkeiten wie Alexander von Humboldt oder visionären Denkern zeigt, dass ihn Zusammenhänge über einzelne Branchen hinaus beschäftigen. Neugier, interdisziplinäres Denken und der Blick auf größere Entwicklungen spielen auch im Management eines wachsenden Pflegeunternehmens eine Rolle.
Diese Haltung spiegelt sich in der strategischen Ausrichtung von aiutanda wider. Pflege wird nicht isoliert gedacht, sondern als Teil eines sich wandelnden Gesundheitsmarktes, in dem Professionalität, Digitalisierung und partnerschaftliche Strukturen entscheidend sind.
Selbstbestimmung als Leitgedanke
Auf die Frage, wie er selbst alt werden möchte, antwortet Schubert mit einem klaren Wunsch nach Selbstbestimmung und Nähe zu vertrauten Menschen. Dieser Gedanke findet sich auch im Versorgungsverständnis von aiutanda wieder. Ambulante Pflege soll Menschen ermöglichen, möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld zu leben.
Moderne Versorgungskonzepte verbinden dabei individuelle Unterstützung mit professionellen Strukturen. Tagespflegeangebote, integrierte Wohnformen und ein verlässliches Hilfsmittelversorgung und Therapiemanagement sind keine Zusatzoptionen, sondern Bausteine eines flexiblen Gesamtsystems.
Der Anspruch bleibt, Versorgung nicht statisch zu organisieren, sondern an veränderte Lebenssituationen anzupassen. Pflege 2026 und darüber hinaus bedeutet, unternehmerische Verantwortung mit gesellschaftlichem Auftrag zu verbinden.
Das vollständige Interview mit Christoph Schubert ist bei Care vor9 erschienen. Lesen Sie das komplette Gespräch hier.





