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München, 12. Dezember 2025

Top 40 unter 40 – Pflege mit Herz und Führung

Carsten Kropp ist Geschäftsführer der aiutanda Westerwald und wurde kürzlich als einer der „Top 40 unter 40“ der Pflegebranche ausgezeichnet. Im Gespräch spricht er über seinen Weg in der Pflege, seine Haltung als Führungskraft – und warum Digitalisierung und Teamstabilität für ihn zwei Seiten derselben Medaille sind.

Herr Kropp, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung! Wie sind Sie ursprünglich zur Pflege gekommen?

Ehrlich gesagt: durch Zufall. Ich bin ursprünglich Kaufmann, habe aber meine Ausbildung bereits im Krankenhaus gemacht und bin dann in einem ambulanten Pflegedienst gelandet – ohne zu wissen, dass mich dieser Weg langfristig prägen würde. Schon damals habe ich gemerkt, wie sinnstiftend diese Arbeit ist. Auch wenn ich selbst nicht pflegerisch tätig bin, sehe ich mich als Teil eines Systems, das Menschen in herausfordernden Lebenssituationen unterstützt. Dieses Gefühl, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, ist bis heute meine größte Motivation.

Sie führen heute die aiutanda Westerwald – welche Werte leiten Sie dabei?

Ich sehe uns als Gemeinschaft, in der alle gleich wichtig sind – von der Hauswirtschaftskraft bis zur Geschäftsführung, ohne die Hauswirtschaftskraft an ein Ende stellen zu wollen. Jeder trägt auf seine Weise dazu bei, dass unsere Klient:innen bestmöglich versorgt sind. Mir ist es wichtig, dass diese Haltung spürbar wird: Wir arbeiten auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt. Ich möchte, dass sich die Menschen, die bei uns arbeiten, entfalten können – aber auch Verantwortung übernehmen. Führung heißt für mich, Rahmen zu schaffen, in denen andere erfolgreich sein können.

Sie sind als Geschäftsführer in eine schwierige Situation gestartet. Was war Ihre größte Herausforderung?

Als ich bei aiutanda eingestiegen bin, waren zwei Standorte wirtschaftlich und organisatorisch stark angeschlagen. Ich musste also erst einmal Strukturen stabilisieren, Vertrauen aufbauen und Teams zusammenführen. Das geht nur, wenn man präsent ist, zuhört und konsequent bleibt. Für mich gilt: Ich tue, was ich sage – und sage, was ich tue. So entsteht Verbindlichkeit. Gleichzeitig musste ich Entscheidungen treffen, die nicht immer bequem waren, etwa wenn sich jemand nicht mehr mit unserer Haltung identifizieren konnte. Heute haben wir ein stabiles, engagiertes Team – und das ist für mich der größte Erfolg.

Viele Pflegeeinrichtungen kämpfen mit Fachkräftemangel. Wie begegnen Sie dem Thema?

Ich halte nichts davon, jede freie Stelle mit der erstbesten Person zu besetzen. Wir nehmen uns Zeit, um die richtigen Menschen zu finden – Kolleg:innen, die nicht nur fachlich passen, sondern auch menschlich. Unsere Teams wissen das zu schätzen. Sie merken: Qualität entsteht durch Verlässlichkeit, nicht durch Eile. Diese Haltung hat sich bewährt – wir haben kaum Fluktuation, ein starkes Miteinander und eine beeindruckend stabile Einsatzquote. Das zeigt, dass nachhaltige Personalpolitik funktioniert, wenn man sie konsequent lebt.

Welche Entwicklungen in der Pflegebranche verfolgen Sie derzeit besonders aufmerksam?

In den letzten Jahren war der Markt durch Insolvenzen und Zurückhaltung geprägt – vor allem durch steigende Kosten und gesetzliche Vorgaben. Inzwischen sehe ich wieder mehr Investitionen und Vertrauen in die Branche. Gleichzeitig gibt es strukturelle Herausforderungen, etwa durch unseren Föderalismus: Jedes Bundesland hat eigene Regelungen, Qualifikationsanforderungen und Behördenstrukturen. Das erschwert vieles – besonders, wenn man überregional arbeitet. Ich wünsche mir hier mehr Einheitlichkeit und weniger Bürokratie, damit wir uns auf das konzentrieren können, was zählt: gute Pflege.

Digitalisierung ist eines Ihrer Herzensthemen – warum?

Weil sie uns Freiräume schafft. Wir arbeiten komplett digital, vom Aufnahmeprozess bis zur Pflegedokumentation. Das entlastet die Mitarbeitenden enorm. Ich bin überzeugt, dass KI künftig viele Routineaufgaben übernehmen wird – etwa in der Dokumentation, in der Dienstplanung oder bei Besprechungen, wo automatisch Protokolle erstellt werden. Wichtig ist aber, dass solche Tools wirklich in die Struktur passen. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein, sondern muss den Alltag erleichtern. Und: Der Antrieb dazu muss aus der Führung kommen – wenn ich Veränderung will, muss ich sie vorleben.

Was motiviert Sie persönlich am meisten in Ihrer Arbeit?

Dass ich gestalten kann. Ich mag die Vorstellung, dass Führung nicht Kontrolle, sondern Verantwortung bedeutet – für Menschen, Prozesse und Kultur. Wenn ich sehe, dass Teams wachsen, dass Pflegekräfte wieder Freude an ihrer Arbeit haben und unsere Klient:innen gut versorgt sind, dann ist das der beste Beweis, dass sich Einsatz lohnt.

Was möchten Sie in den kommenden Jahren bewegen?

Ich möchte dazu beitragen, dass Pflege moderner, digitaler und menschlicher wird – gleichzeitig. Wir brauchen Mut, Neues zu denken, und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Pflege ist kein statisches System, sondern ein lebendiger Teil unserer Gesellschaft. Und sie verdient die gleiche Innovationskraft wie jede andere Branche.

Zum Schluss: Was bedeutet die Auszeichnung „Top 40 unter 40“ für Sie?

Ich möchte dazu beitragen, dass Pflege moderner, digitaler und menschlicher wird – gleichzeitig. Wir brauchen Mut, Neues zu denken, und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Pflege ist kein statisches System, sondern ein lebendiger Teil unserer Gesellschaft. Und sie verdient die gleiche Innovationskraft wie jede andere Branche.

Sie ist eine schöne Bestätigung und Wertschätzung– nicht nur für mich, sondern für mein ganzes Team. Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich. Ich sehe die Auszeichnung als Ansporn, weiter mutig zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und die Pflege mitzugestalten.
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